Das Gedächtnis der Libellen | Marica Bodrožić - Marica Bodrožić
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Noch sind die Tage ungetrübt. Die junge Nadeshda fährt nach Amsterdam, um dort ihren Geliebten Ilja zu treffen. Sie hat Schuhe mit den höchsten Absätzen an und denkt sich Iljas Küssen entgegen. Doch was als lustvolle Reise beginnt, wirft Nadeshda völlig aus dem Gleichgewicht, bringt sie an ihre Grenzen und verändert ihre ganze Wahrnehmung von ihrer Liebe und sich selbst. Denn Nadeshda muss erkennen, dass das Leben etwas anderes für sie bereithält, während sie in ihre Träume, Sehnsüchte und merkwürdig robusten Hoffnungen verstrickt ist. Ilja hat ihr immer die Wahrheit gesagt: Von der ersten Begegnung an sprach er davon, dass ihre Liebe keine Zukunft haben könne. Hat irgendeine Liebe eine Zukunft, fragt sich Nadeshda. Oder ist jeder Liebe nur das Hier und Jetzt gegeben? Denn Ilja liebt Nadeshda auch ohne Zukunft.

Marica Bodrožić hat den Roman einer unbedingten wie ausweglosen Liebe geschrieben, der zugleich die Geschichte eines großen Verlustes erzählt. Denn Nadeshda muss am Ende Abschied nehmen und sich vom Leben in eine andere Zeitspur führen lassen. Der Abschied von Ilja führt sie zu sich selbst zurück, leitet sie wieder zu ihrer Vergangenheit und zu den Libellen sammelnden Vater. Sie erlebt, dass der Selbstverlust das Zeichen eines jeden Anfangs ist. Sie beginnt neu und lernt, dass zwar die Liebesgeschichte mit Ilja zu Ende gegangen ist, die Liebe selbst aber kein Ende kennt, weil sie der Ursprung des Lebens ist.

(Text: Klaus Siblewski, Luchterhand Verlag)

DAS GEDÄCHTNIS DER LIBELLEN
Roman
Verlag btb
256 Seiten, EUR 9,99

Die Liebe endet unglücklich, doch der Roman überzeugt. Gerade in der Intensität der Beschreibungen, egal ob von äußeren Merkmalen oder von inneren Zuständen, gelingt Marica Bodrožić eine Kraft, in diese Amour fou ganz sanft hineinzusaugen. Man reist mit der Ich-Erzählerin durch verschiedene Städte und Zustände der großen Enttäuschung und ist am Ende um eine Erfahrung reicher: Das Schönste im Leben ist nicht geliebt zu werden, sondern zu lieben. Auch, wenn diese Liebe nicht erwidert wird!

Olvier Seppelfricke, Deutschlandfunk

Wenn das Leben weder drinnen noch draußen ein Gefängnis mehr ist, wird alles anders werden, von allein und nicht etwa deshalb, weil ich es will. Vielleicht wäre das große Vergessen eine Erlösung. Manchmal stelle ich mir vor, dass es so etwas gibt, einen Zeitfluss, in dem das Vergessen wohnt. Wir bräuchten nur Teil des Wassers zu werden, und schwimmend kämen wir an in einem anderen Leben, mit einer anderen, neuen Biografie könnten wir lieben, als sei nie jemand auf dieser Erde durch die Liebe verletzt oder von ihr geheilt worden, als sei sie neu, eine unerprobte, unerhörte Erfindung.

Leseprobe

Übersetzungen in diese Sprachen:

Arabisch / Ägypten The National Center of Translation

Bulgarisch, Perseus Publishing House

Italienisch, Emanuela Zandonai Editore

Kroatisch, Fraktura