


Marica Bodrožić schreibt über das Wunder der menschlichen Existenz und zeigt, wie Endlichkeit und Neubeginn eine Ethik der Zärtlichkeit freisetzen.
Ein sonniger Klinikgarten, ein Liegestuhl vor dem Hospiz – und die Erkenntnis: Die Autorität des Todes ist die Autorität des Lebens. Als die Autorin eine Diagnose bekommt, die ihren baldigen Tod bedeuten könnte, betritt sie einen »Zwischenraum«, jene Zone, in der die Zeit zwei Takte hat, den des Körpers und den des Bewusstseins. Aus dieser Grenzerfahrung heraus beschreibt sie, wie Sterblichkeit die Wahrnehmung schärft und Freiheit ermöglicht. Sie vollzieht die Denkbewegungen großer Philosophen und Schriftstellerinnen nach und fragt, was von uns bleibt, wenn alles Überflüssige abfällt. Ein literarisch-philosophischer Essay über Sterblichkeit als Schule des Sehens – und darüber, wie uns das Leben, das uns bleibt, intensiver, wahrhaftiger, freier werden lässt.

Eine poetische Erkundung von Sprache und Wahrheit
Was bleibt, wenn das Ich verstummt und die Sprache selbst zu sprechen beginnt?
Ausgehend von der mittelalterlichen Mystikerin Mechthild von Magdeburg fragt Marica Bodrožić nach der Kraft der Sprache, nach dem Ursprung der Poesie und nach einer Wahrheit, die sich dem Zugriff entzieht und gerade darin Bestand hat.
Aus der Begegnung mit ihrem Werk entsteht ein poetischer Raum, in dem sich Erkenntnis nicht festschreiben lässt. Sprache erscheint hier als Bewegung, als Fließen zwischen Schweigen und Ausdruck, zwischen Hingabe und Widerstand. In einer Welt, die zur Vereinfachung und Schnelligkeit drängt, erinnert dieser Text daran, dass Wahrheit sich nicht besitzen lässt – und dass jede echte Erfahrung im Ungesicherten beginnt.
So wird dieser Essay zu weit mehr als einer Annäherung an ein mystisches Werk: Er ist eine Einladung, sich von Sprache verwandeln zu lassen. Ein berührender, kluger und poetisch leuchtender Text über Liebe, Wahrheit und die unzerstörbare Kraft des Inneren.

Ein Dorf im Taunus. Eine Familie aus Dalmatien. Eine zerrissene Kindheit und eine rebellische Jugend. Die vielfach preisgekrönte Autorin Marica Bodrožić erzählt von einer jungen Frau und ihrem Weg in die Freiheit.
In unserer schmerzverzahnten Gegenwart voller Gewalt und Kriege hat Marica Bodrožić einen Roman über Heilung und Ganzwerdung des Individuums geschrieben, in dem die Blickrichtung der Freiheit umgekehrt wird – nicht Anklage und Schuldzuweisung sind ihre Themen dabei, sondern die selbstermächtigende Frage, was kann ich als Einzelwesen tun, wenn die Bedingungen meines Lebens mir so sehr zusetzen, dass ein Aufbruch in etwas Neues unumgänglich ist? Marica Bodrožić zeigt dabei an ihrer Hauptfigur Pepsi, dass das Neue nur aus dem Neuen und niemals aus dem Alten entsteht. Freiheit erfordert den Mut, alles über sich selbst zu vergessen und das zu werden, was als Weg der Freiheit und Befreiung im Innen entsteht.
Pepsi liebt das Leben und den flimmernden Schlaf des Sommers. Ihre Eltern arbeiten in Hessen und tauchen nur in den Sommerferien auf dem einsamen Hof des Großvaters in Dalmatien auf. Zeitweise kommt sie auch bei anderen Verwandten unter, doch wo immer sie ist, bleibt sie fremd. Nur in der Natur fühlt sie sich aufgehoben, verbringt, fasziniert von der Sprache der Vögel am Himmel, ihre Tage barfuß im Gras. Als die Eltern sie zu ihren Geschwistern in die Einzimmerwohnung in einem Dorf im Taunus holen, will Pepsi sofort wieder weg. Die vom Putzen rissigen Hände der Mutter sind zu keiner Zärtlichkeit fähig. Der Vater beginnt seine Tage mit Schnaps. Das neue Leben hält aber zugleich Dinge bereit, zu denen das Mädchen sich wie magnetisch hingezogen fühlt. Die Welt der Bücher und Buchstaben, die deutsche Sprache, in die sie sich so plötzlich und heftig verliebt wie später in Aleksandar. Doch als sie Abitur machen und studieren will, wird ihr das verboten, weil sie kein Junge ist. Es ist wie ein Stich ins Herz, ein Abschied – und zugleich ein Neubeginn.
„Ein großer Roman, der den Spagat zwischen dem bedrückendem Plot und sprachlicher Rafinesse meistert, um am Ende die Befreiung zu feiern.“
SYLVIA TREUDL, BUCHKULTUR
Es gibt einfach Menschen, die nicht gebrochen werden können und dafür steht diese Hauptfigur Pepsi für mich.
SHILA BEHJAT, DEUTSCHLANDFUNK-KULTUR

»Niemand nordet meinen menschlichen Kompass so poetisch und klug wie Marica Bodrožić.«
MARIA-CHRISTINA PIWOWARSKI




Foto: Regina Dyck